Während die Eisenbahnwelt derzeit eine wahre digitale Revolution erlebt, haben sich die CFL entschlossen, den Alltag der Mitarbeitenden im Einsatz sowie der Reisenden zu verändern – durch die Verbesserung der mobilen Konnektivität im gesamten Netz. In diesem komplexen Umfeld bestehen jedoch nach wie vor zahlreiche „weiße Flecken“ – Gebiete, in denen die mobile Abdeckung nicht vorhanden oder unzureichend ist – was sowohl technische Eingriffe als auch den Komfort der Fahrgäste beeinträchtigt. Zwischen technischen Herausforderungen, unerwarteten Innovationen und internationaler Zusammenarbeit zeugt dieses ehrgeizige Vorhaben von einem Unternehmen, das klar in die Zukunft blickt. Wir treffen Christian und Michel, Abteilungsleiter und Projektleiter für digitale Transformation im Bereich Infrastruktur-Engineering – leidenschaftliche Gestalter der digitalen Transformation der CFL-Eisenbahninfrastruktur.

Warum habt ihr euch entschieden, die mobile Konnektivität entlang der CFL-Strecken zu verbessern?

Christian: Als ich bei der CFL anfing, wurde mir schnell eine Realität bewusst: Unsere Teams verfügten zwar über moderne Anwendungen, aber draußen im Einsatz fehlte oft die nötige Verbindung. Stellt euch unsere Instandhaltungsteams vor, die eine Weiche reparieren müssen und gezwungen sind, mehrere Hundert Meter zu laufen – nur um ins Netz zu kommen und überprüfen zu können, ob alles korrekt funktioniert. Gleichzeitig erwarten unsere Fahrgäste – insbesondere die Jüngeren – jederzeit eine stabile Verbindung: für ihre Freizeitaktivitäten, ihre Arbeit oder einfach, um mit ihren Liebsten in Kontakt zu bleiben. Es war klar: Wir mussten die Konnektivität verbessern, um allen das Leben zu erleichtern.

Welche technischen Hürden habt ihr überwinden müssen, um die Funklöcher im Bahnnetz zu beseitigen – insbesondere in den Zügen selbst?

Michel: Schon in den ersten Tagen wurde mir klar, dass unsere Herausforderung weit über die reine Verbesserung der Netzinfrastruktur hinausging. Zunächst mussten unsere Lösungen in allen Zügen funktionieren – auch in denen, die aus unseren Nachbarländern kommen. Das war entscheidend, denn fast jeder zweite Zug überquert eine Grenze. Neben dieser Komplexität im Umgang mit Nachbarländern und Grenzpendlerinnen und -pendlern standen wir vor einem echten technischen Puzzle: Wir mussten unbedingt vermeiden, dass es zu Störungen zwischen unserem internen Bahnnetz (dem GSM-R) und den modernen öffentlichen Mobilfunknetzen kommt.

Und draußen vor Ort wurde alles schnell sehr konkret: Wie installiert man schwere Geräte in abgelegenen, teilweise geschützten Gebieten, die oft nicht einmal mit dem Auto erreichbar sind? Gleichzeitig war es uns wichtig, die reiche, aber empfindliche luxemburgische Umwelt zu bewahren.

Hinzu kam ein weiteres Hindernis in unseren modernen Zügen: Ihre gute Isolierung gegen Kälte und Hitze. Die Fenster wirken wie ein Schutzschild und blockieren das Mobilfunksignal. Für die Reisenden bedeutet das zwar thermischen Komfort – doch die Züge wurden so zu echten Faraday-Käfigen , undurchlässig für mobile Kommunikation. Die Ingenieure und Ingenieurinnen der Abteilung Züge und Material mussten kreativ werden: Sie prüfen innovative Ansätze wie den Einsatz von Lasern auf den Fenstern, um Mobilfunksignale in die Züge zu lassen, ohne die Wärmedämmung zu beeinträchtigen. Und genau das ist das Spannende: Jeder technische Stolperstein wird zu einer Chance für Innovation.

„Genau das macht unseren Beruf so spannend: Aus jeder technischen Herausforderung entsteht eine neue Möglichkeit für Innovation.“

Was die Nutzung von Lasertechnologien betrifft, um die Konnektivität durch die Zugfenster zu verbessern – ist das für die CFL eine ernsthafte Option, so wie es in der Schweiz bereits der Fall ist?

Christian: Absolut! Wenn man auf eine solche Lösung stößt, kann man ihr Potenzial nicht einfach ignorieren. Schon bald werden wir diese Innovation an einigen Zügen testen. Läuft alles nach Plan, könnte unsere Kundschaft von einer deutlich besseren mobilen Verbindung profitieren – ohne dass wir in allen Zügen neue Antennen installieren müssen. Das wäre ein echter Fortschritt für den Komfort auf täglichen Fahrten – hier in Luxemburg ebenso wie über die Grenzen hinaus.

Wie hat die Zusammenarbeit mit der SNCF und anderen Partnern eure Herangehensweise an die Konnektivität auf grenzüberschreitenden Verbindungen beeinflusst?

Michel: Unsere Zusammenarbeit mit der SNCF hat uns ermöglicht, gemeinsame Herausforderungen zusammen anzugehen. Nehmen wir die Strecke Metz–Luxemburg: Jeden Tag nutzen Tausende von Menschen diese Verbindung. Wir haben in einer Partnerschaft aus Eisenbahninfrastrukturbetreibern und Mobilfunkanbietern eine Studie erarbeitet, um die Konnektivität der Pendelnden während der gesamten Fahrt – von zuhause bis zur Arbeit – zu verbessern. So wollen wir gemeinsam ihren Alltag grenzüberschreitend angenehmer gestalten. Unsere Partnerschaft ist eine einzigartige Gelegenheit, höchste Servicequalität zu gewährleisten – und zugleich die Zukunft aktiv mitzugestalten – wie etwa die Vorbereitung eines grenzüberschreitenden 5G-Korridors.

Und wie berücksichtigen die neuen Coradia-Züge das Thema Konnektivität?

Christian: Als die CFL die Coradia-Züge bestellten, galt es bereits, die Bedürfnisse der Zukunft mitzudenken – teilweise Jahrzehnte im Voraus wenn man die Lebensdauer eines Zuges bedenkt. Heute verfügen diese Züge über kostenloses WLAN, und wir entwickeln die Technologie kontinuierlich weiter, um den Erwartungen unserer Fahrgäste auch in Zukunft gerecht zu werden.

Unsere Partnerschaft ist eine einzigartige Gelegenheit, höchste Servicequalität zu gewährleisten – und zugleich die Zukunft aktiv mitzugestalten.

Was halten eure Fahrgäste vom angebotenen WLAN in den CFL-Bahnhöfen und -Bussen?

Michel: In den letzten Jahren haben wir die Nutzung des kostenlosen WLANs in CFL-Bahnhöfen und -Bussen grundlegend verändert. Statt der früheren Lösung mit einer optisch ansprechenden, aber schwerfälligen Startseite setzen wir heute auf Transparenz und automatische Verbindungen – zumindest für jene, die unsere Infrastruktur regelmäßig nutzen. Neu hinzugekommen ist außerdem eduroam, eine Lösung, die besonders bei Studierenden sehr beliebt ist. Man sieht ganz konkret, wie solche Innovationen den Alltag spürbar verbessern.

Diese einfache Nutzung, vergleichbar mit dem WLAN zuhause, wird von unseren Fahrgästen sehr geschätzt. In naher Zukunft möchten wir einige dieser Verbesserungen auch in die mit WLAN ausgestatteten Züge bringen.

Wie sieht eure langfristige Strategie aus, um eine durchgehende Verbindung zu gewährleisten?

Christian: Unser Traum ist es, dass alle Menschen in ganz Luxemburg jederzeit von einer stabilen und zuverlässigen Verbindung profitieren können. Ein starkes Symbol für diese ambitionierte Strategie ist der Funkmast zwischen Livange und Bettemburg – eine Telekommunikationsinfrastruktur, die strategisch errichtet wurde, um die mobile Abdeckung im Bahnverkehr zu verbessern. Dank solider Zusammenarbeit mit allen Mobilfunkanbietern wollen wir dieses Modell in den kommenden Jahren auf sämtliche Bahnstrecken ausweiten – insbesondere auch auf die Linien im Norden des Landes.

Wie lässt sich an Bord eines Zuges der gleichzeitige Betrieb von bis zu 1.000 verbundenen Geräten bewältigen?

Michel: Konnektivität im Zug gleicht einem Orchester: Damit die Erfahrung reibungslos ist, muss jedes einzelne Element perfekt aufeinander abgestimmt sein. Technisch gesehen ist jede Coradia-Garnitur mit mehreren WLAN-Zugangspunkten ausgestattet, die gezielt entlang des Zuges platziert sind. Jeder dieser Access Points kann rund 250 gleichzeitige Verbindungen tragen. Zusammengenommen lässt sich so die Last von bis zu 1.000 Geräten gleichzeitig bewältigen. Diese Zugangspunkte arbeiten harmonisch zusammen – dank einer intelligenten Lastverteilung im Netzwerk.

Nach außen wird der Internetverkehr an Bord in Echtzeit über die verschiedenen öffentlichen Mobilfunknetze unserer Partner verteilt. Das bedeutet: Selbst wenn ein Betreiber an einem bestimmten Ort einmal nicht genügend Bandbreite liefern kann, springen automatisch die anderen Netze ein. Diese dynamische Steuerung sorgt dafür, dass alle eine stabile und schnelle Verbindung haben – ohne die dahinterliegende Komplexität überhaupt wahrzunehmen. Gleichzeitig gibt es aber nach wie vor Streckenabschnitte, die von keinem Anbieter abgedeckt sind – dort kann auch das WLAN der Coradia keine Internetverbindung bereitstellen. Gleich mehrere Beispiele hierfür liefert die Linie 1 nördlich von Ettelbrück. Gemeinsam mit den vier lokalen Betreibern haben wir konkrete Pläne, bis 2028 einen Großteil dieser Funklöcher zu schließen und die Abdeckung bis 2030 weiter zu perfektionieren.

„Konnektivität im Zug gleicht einem Orchester (…)“

Welchen Nutzen kann die lokale Gemeinschaft aus diesen Verbesserungen ziehen?

Christian: Über den Komfort an Bord hinaus haben unsere Projekte auch einen ganz konkreten sozialen Einfluss. Luxemburg verfügt bereits über eine sehr gute mobile Netzabdeckung – selbst in den meisten kleinen Dörfern. Dennoch gibt es nach wie vor einige Punkte entlang der Bahnstrecken – Stadtviertel, Siedlungen oder topografisch schwierige Lagen – in denen bestimmte Anbieter schlechter zu empfangen sind. Mit der Installation unserer Masten bieten wir diesen Betreibern die Möglichkeit, ihr Netz genau dort zu verstärken.

Welche Lehren zieht ihr aus diesem Projekt – und welche Empfehlungen würdet ihr anderen Akteuren im Eisenbahnsektor geben?

Michel: Zusammenarbeiten, Wissen und Infrastrukturen teilen – das ist wahrscheinlich die wichtigste Lehre aus diesem Projekt. In Luxemburg haben wir gezeigt, dass diese Kooperation zwischen öffentlichem und privatem Sektor nicht nur möglich ist, sondern auch für alle einen enormen Mehrwert bringt.

Wie gelingt es der CFL, neue Talente zu gewinnen, um solche Technologieprojekte voranzubringen?

Christian: Bei der CFL haben wir das große Glück, an spannenden Projekten zu arbeiten, die unserem Beruf echten Sinn verleihen. Wenn wir rekrutieren, dann nicht nur für ein paar Jahre – sondern um gemeinsam eine bessere Zukunft für alle zu gestalten. Bei uns kann jede neue Kollegin und jeder neue Kollege – ob mit Hintergrund in Ingenieurwesen, Naturwissenschaften oder einem ganz anderen Bereich – sehr schnell einen echten Unterschied machen. Am Ende ist es vor allem ein menschliches Abenteuer. Und genau das macht diese Arbeit so bereichernd und jeden Tag aufs Neue spannend.

Wenn auch Sie Teil dieses spannenden digitalen Abenteuers werden und aktiv an der vernetzten Zukunft der Eisenbahn mitwirken möchtest, dann schau gleich vorbei auf jobscfl.lu!

Author

Comments are closed.