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In Laurents Familie ist die Eisenbahn seit mindestens vier Generationen ein selbstverständlicher Arbeitgeber – aus einer Zeit, in der die Züge noch mit Kohle fuhren, in Bahnhöfen hielten, die heute längst verschwunden sind, und unter der ehrwürdigen Flagge der „Compagnie des chemins de fer Prince Henri“ verkehrten. Laurent kam 1990 als Lehrling in der Werkstatt zur CFL. 35 Jahre und mehrere Stationen später ist er heute Sicherheitskoordinator im Bereich Sicherheit, Schutz und Umwelt – und blickt für uns auf seine lange Laufbahn als Eisenbahner zurück.

In deiner Familie gibt es nicht weniger als sechs Eisenbahnerinnen und Eisenbahner über vier Generationen hinweg – gehört die Eisenbahn also einfach zur Familie?

Ich bin mit den Geschichten der Compagnie des chemins de fer Prince Henri aufgewachsen – erzählt von meinen Urgroßeltern, die beide am Bahnhof in Clémency beschäftigt waren, und von meinem Großonkel, der Lokführer auf Dampflokomotiven war. Mein Vater wiederum arbeitete als Fahrzeugprüfer im Bahnhof Pétange. Ich hatte das Glück, ihn dort besuchen zu dürfen und die Maschinen aus nächster Nähe zu erleben. Das war zugleich vertraut und faszinierend – zumal es dieselben Züge waren, mit denen wir als Reisende unterwegs waren. Ich bin also wirklich in der Eisenbahnwelt aufgewachsen.

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Als Jugendlicher hast du eine Lehre bei der CFL begonnen – war das eine wohlüberlegte Entscheidung oder eher ein vorgezeichneter Weg?

Ich weiß nicht, ob man wirklich von einer Entscheidung sprechen kann – es war für mich einfach der naheliegendste Weg. Aber er entsprach genau dem, was ich wollte und brauchte. Ich fühlte mich zu einem industriellen und technischen Umfeld hingezogen, denn Ingenieur- und Technikthemen haben mich schon immer fasziniert. Ich wollte verstehen, wie Dinge funktionieren, die Technik wirklich begreifen. Da ich aus einer Eisenbahnerfamilie stamme, hatte ich zudem durch meinen Vater sehr positive Eindrücke – er war immer stolz darauf, Teil dieses Berufsstandes zu sein. Mit 16 Jahren begann ich also meine Lehre als Feinmechaniker im Ausbildungszentrum der CFL in Luxemburg und war gleichzeitig am Lycée Technique de Bonnevoie eingeschrieben.

Eine Lehre zu machen, war schon für sich genommen eine prägende Erfahrung: Man erhielt sein erstes Gehalt, lernte einen echten Beruf, das war etwas Ernsthaftes. Es machte uns verantwortungsbewusster und brachte uns einen Schritt näher ans Erwachsenenleben. Auch menschlich war das eine intensive Zeit: Ich treffe heute noch fast die Hälfte meiner ehemaligen Lehrkollegen /-kolleginnen – in dieser prägenden Phase unseres Lebens sind starke Bindungen entstanden.

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Nach deiner Ausbildung wurdest du von der CFL übernommen – war das der logische nächste Schritt?

Ja und nein – denn im Grunde habe ich den Beruf, für den ich ausgebildet und eingestellt wurde, kaum ausgeübt. Ich war nur so lange als Industriemechaniker tätig, bis ich die Ausbildung zum Lokführer beginnen konnte – also nur ein paar Monate. Das Handwerkliche hat mir zwar gefallen, aber als ich merkte, dass ich die Möglichkeit hatte, Züge zu fahren, war die Entscheidung schnell gefallen. Es war die Chance, noch stärker im operativen Bereich zu arbeiten, direkt am Geschehen zu sein und mit dem Material in Berührung zu kommen – insbesondere mit den ersten modernen Zügen, die damals in Betrieb gingen.

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Du bist viele Jahre lang Züge gefahren, bevor du Ausbilder für Lokführer und Lokführerinnen geworden bist – hast du dich also irgendwann nach weniger Action gesehnt?

Ich habe all meine Jahre als Lokführer sehr geschätzt: Die unregelmäßigen Arbeitszeiten ließen mir genügend Freiraum, um meiner anderen Leidenschaft – dem Radfahren – nachzugehen. Ich liebte es, Grenzen zu überqueren und auf den Netzen der Nachbarländer zu fahren, manchmal sogar mit Zügen, die inzwischen im Museum stehen. Das hatte einen unglaublichen Reiz. Meine Motivation für diesen Beruf blieb während der gesamten zehn Jahre ungebrochen: Ich hatte eine verantwortungsvolle Aufgabe – Menschen und Güter unter bestmöglichen Bedingungen in puncto Sicherheit, Komfort und Pünktlichkeit zu transportieren. Das hat mich erfüllt.

Dann bot sich die Gelegenheit, mein Wissen an jüngere Generationen weiterzugeben – und da kam meine offene und pädagogische Seite zum Tragen. Die Rolle des Ausbilders ist perfekt, um Geselligkeit, Wissensaustausch und Zusammenarbeit zu vereinen – sei es mit den Auszubildenden oder mit Kolleginnen und Kollegen der Deutschen Bahn, der SNCB oder der SNCF. Als Ausbilder haben wir zudem das Privileg, durch eine festgelegte Anzahl an Fahrstunden im Jahr weiterhin mit dem Betrieb in Kontakt zu bleiben, um unsere Zulassungen zu behalten. Für mich vereint diese Funktion das Beste aus beiden Welten: ein Alltag voller Begegnungen, mit geregelteren Arbeitszeiten – und dennoch die Freude, regelmäßig selbst zu fahren.

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Parallel zu deiner Tätigkeit als Ausbilder bist du auch im Bereitschaftsdienst für Unfälle tätig – ist das der Ursprung deiner besonderen Sensibilität für Sicherheitsfragen?

Unter anderem, ja! Sicherheit ist für jede Person, die bei der CFL anfängt, ein zentrales Thema. Schon 1990, während meiner Ausbildung in der Werkstatt, hatte ich wöchentliche Sicherheitskurse. Und auch heute noch gibt es für neue Mitarbeitende verpflichtende Schulungen, ergänzt durch regelmäßige Sensibilisierungsmaßnahmen. Aber natürlich bekommt man ein ganz anderes Bewusstsein für die Bedeutung der Eisenbahnsicherheit, wenn man selbst an Unfallorten oder bei Personenschäden im Einsatz ist. Das war auch einer der Gründe, weshalb ich mich 2012 auf eine offene Stelle bei der Eisenbahnverwaltung (Administration des Chemins de Fer – ACF) beworben habe.

Dort war ich verantwortlich für die Auditierung und Zertifizierung des Fahrpersonals sowie für das Qualitätsmanagementsystem. Diese Themen standen damals im direkten Zusammenhang mit Vorgaben der Europäischen Kommission, denn die Liberalisierung des Eisenbahnsektors brachte neue Fragen in Bezug auf Governance und Sicherheit mit sich. Dank meiner Erfahrung aus dem operativen Bereich wusste ich genau, worin die Herausforderungen lagen – insbesondere bei der Vereinfachung und Harmonisierung zwischen den Ländern sowie bei der Einführung standardisierter Systeme. Während meiner vier Jahre bei der ACF habe ich meine Expertise eingebracht, um an der Ausarbeitung von Vereinbarungen zwischen den Eisenbahnunternehmen mitzuwirken – stets unter Berücksichtigung der nationalen und europäischen Vorschriften, die im Bahnbetrieb gelten.

Nach diesen vier Jahren kehrte ich zur Muttergesellschaft der CFL zurück, wo ich mein wertvolles regulatorisches Wissen in den Dienst der Direktion Personenverkehr stellen konnte. Ich kannte die europäischen Anforderungen an Qualitäts- und Sicherheitsmanagement genau – und konnte sie aus Sicht des Bahnbetriebs wirksam umsetzen.

2019 hast du einen Schritt zur Seite gemacht und bist Sekretär einer Eisenbahnergewerkschaft geworden – was nimmst du aus dieser Erfahrung mit?

Ich habe mich schon immer für soziale und politische Themen interessiert – und der Eisenbahnergewerkschaftsbewegung kommt ja eine ganz besondere Bedeutung zu. Diese Zeit hat mir ermöglicht, eine völlig andere Tätigkeit kennenzulernen, die sich stark auf Verhandlungen und den Dialog zwischen verschiedenen Interessengruppen konzentriert. Man kennt das große Erbe sozialer Bewegungen in der Arbeitswelt – und ganz besonders im Eisenbahnbereich. Ich war neugierig, zu verstehen, wie diese Prozesse ablaufen, wie Diskussionen geführt und Kompromisse gefunden werden. Es war eine äußerst bereichernde Erfahrung, und auch wenn ich Gewerkschaftsarbeit nach wie vor für essenziell halte, war sie für mich persönlich letztlich zu weit vom operativen Alltag entfernt.

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2021 bist du zum Bereich Sicherheit, Schutz und Umwelt (S&E) gewechselt und arbeitest dort als Sicherheitskoordinator – ist das sozusagen der rote Faden, der all deine bisherigen Stationen zusammenführt?

So kann man es tatsächlich sehen. Wie ich schon sagte, ist das Thema Sicherheit in all unseren Tätigkeiten allgegenwärtig – es liegt in der DNA der CFL Unternehmensgruppe, und jede und jeder ist davon betroffen: unsere Kolleginnen und Kollegen in den Werkstätten, auf den Gleisen, in den Büros, ebenso wie die Menschen, die wir befördern und betreuen.

Als Koordinator besteht meine Aufgabe darin, das Bewusstsein für Sicherheitsfragen bei allen Beteiligten Jahr für Jahr weiter zu stärken. So halte ich zum Beispiel regelmäßig Schulungen für die Rettungskräfte des CGDIS, um sie darauf vorzubereiten, bei einem Unfall im Gleisbereich sicher eingreifen zu können – insbesondere im Hinblick auf die Gefahr durch Oberleitungen.

Im Service S&E besteht unsere Mission darin, die Direktionen und ihre Teams zu sensibilisieren und sie auf Verbesserungsmöglichkeiten in puncto Sicherheit aufmerksam zu machen. Wir stehen in engem Austausch mit allen Ebenen des Unternehmens – vom Generaldirektor bis zu den Kolleginnen und Kollegen im Feld. Ich fühle mich in diesem Austausch vollkommen in meinem Element, denn Sicherheit liegt mir besonders am Herzen – sie ist die oberste Priorität unserer Unternehmensgruppe.

Meine Tätigkeit ist daher völlig im Einklang mit meinen persönlichen Werten, und ich kann mich ohne Weiteres vorstellen, diese Aufgabe bis zum Ende meiner Laufbahn auszuüben.

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Welchen Rat würdest du jemandem geben, der heute eine Karriere bei der CFL beginnt?

Hab keine Angst, dich zu engagieren – und bleib offen! Wir haben das Glück, eine edle und zugleich essenzielle Mission zu erfüllen – und auch die Mittel, sie richtig umzusetzen. Jede und jeder kann bei der CFL seinen eigenen Weg gehen, entsprechend der eigenen Wünsche und Ziele. Wichtig ist vor allem, bereit zu sein zu lernen und sich weiterzuentwickeln, denn Gelegenheiten werden sich immer bieten.

Wenn Sie – wie Laurent – das Gefühl haben, dass auch Sie sich auf eine spannende Reise mit der CFL begeben möchten, dann werfen Sie einen Blick auf unsere Karriereseite und steigen Sie mit uns ein: www.jobscfl.lu

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